Zur Dalai Lama-Titelgeschichte des stern 32/2009

Leserbrief an den Stern vom 31.7.09

Die wenigen freundlichen Worte und ein paar Formulierungen, die Verständnis erkennen lassen, können nicht darüber hinweg täuschen, daß die ganze Titelgeschichte in der Absicht geschrieben wurde, den Friedensnobelpreisträger zu demontieren. Dabei werden über fünfzig Jahre zurückliegende und einige entlegene oder Randereignisse dieses so universellen Engagements zu Grundsatzfragen aufgeblasen, um nur ja genügend Munition zusammen zu bekommen, diese "Lichtgestalt" zu pulverisieren. Eine der großen Stärken dieses 14. Dalai Lama ist nun einmal ein Grad von Unbefangenheit, der jeden kritischen Beobachter sprachlos macht und mit bloß rationalen Mitteln garnicht erfaßt werden kann. Sicherlich ist das buddhistische Kulturfeld eher ein Harmoniemilieu, das zuweilen die wahren Absichten der Akteure nur schwer erkennbar werden läßt. Das haben manche Beobachter aber auch nicht anders verdient; es ist doch keine Stärke, sich freiwillig zu Kanonenfutter verarbeiten zu lassen!
Das setzt der berufsbedingten journalistischen Neugier Grenzen und verführt dazu, die Lücken mit Versatzstücken von Äußerungen aus anderen Quellen zu füllen, wie das hier auch geschehen ist. Dabei ist die Absicht doch erkennbar, unter dem Vorwand aufklärerischer Kritik abergläubische, naive, mittelalterliche, feudale, autokratische oder autoritäre Strukturen anzugreifen und wie so oft in der Klischees transportierenden Berichterstattung und Kommentarliteratur kommt dabei die Reflexion auf die eigenen Verhältnisse zu kurz und der angeblich so aufgeklärte Westen muß als Idealkonstruktion herhalten, aus der das feudale Tibet und seine angeblich so autoritäre Exilregierung als das schlichtweg Verwerfliche und Antiquierte dargestellt werden können.
Dabei ist dieser 14. Dalai Lama seit seiner Jugendzeit ein aktiver Vertreter moderner Positionen und als solcher auch seit Jahrzehnten häufiger Gast internationaler wissenschaftlicher Konferenzen zu vielen wesentlichen Weltfragen. Es ist schon skandalös zu nennen, wie in Ihrem Beitrag der enorme Output an qualifizierten Beiträgen dieses Autors auf eine Zählung seiner Amazon-Titel heruntergespielt wird, natürlich unter Vermeidung der Nennung der Inhalte!
Als jahrzehntelanger stern-Leser muß ich leider konstatieren: Dieser Beitrag ist kein Ruhmesblatt in der langen Geschichte gut recherchierter Beiträge des stern!

Hofheim am Taunus, 31.7.09, Thilo Götze Regenbogen
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