Dienstag, 20. Mai 2014

Zum Tode von Hans-Peter Dürr (1929-2014)

Hans-Peter_DuerrFoto: Peter Fuhrmann 2007.

Neues Denken für eine Welt im Umbruch: Zum Tode von Hans-Peter Dürr (1929-2014)

„Ein Baum, der fällt, macht mehr Lärm, als ein Wald, der wächst. Lasst uns deshalb dem wachsenden Wald lauschen!“
(eine von Hans-Peter Dürr oft zitierte tibetische Weisheit)


Eine der großen Gestalten der Gegenwart ist aus dem Leben gegangen. Hans-Peter Dürr, Quantenphysiker und Philosoph, Brückenbauer zwischen Naturwissenschaften und Spiritualität, Zukunftsdenker und zivilgesellschaftlicher Aktivist, Träger des alternativen Nobelpreises und mit der Wissenschaftler-Vereinigung PUGWASH auch Friedensnobelpreisträger, ist im Alter von 84 Jahren nach langer Krankheit in München gestorben.
Das letzte Vierteljahrhundert seines Lebens war es ihm ein zentrales Anliegen, mit der von ihm gegründeten Initiative „Global Challenges Network“ (GCN) die weltweiten Antworten auf die bedrohlichen Herausforderungen der Gegenwart in einem globalen Netzwerk zu verbinden.

Vordenker der Friedensbewegung
Sein Einfluss auf Kultur und Politik in München, Deutschland und der ganzen Welt war immens. Als Vordenker der Friedensbewegung konnte der Atomphysiker mit wissenschaftlichen Argumenten der Aufrüstung entgegentreten und die Gefahren der Nukleartechnik aufzeigen. Als Netzwerker verband er weltweit Wissenschaftler gegen die US-amerikanische Rüstungsinitiative ‚Star Wars‘ und ihren im Weltraum geplanten Abwehrschild und trug so dazu bei, die Rüstungsspirale zu bremsen. Als wortgewandter Kritiker von gefährlichen technologischen Megaprojekten prägte er das Verständnis von Nachhaltigkeit und Zukunftsforschung. Als Aktivist und Mitgestalter bei ‚Greenpeace‘, zahlreichen internationalen Vereinigungen wie dem ‚Worldwatch Institute‘ oder dem ‚World Future Council‘ gestaltete er den globalen zivilgesellschaftlichen Kampf für eine ‚bessere Welt‘. Als Brückenbauer zwischen Naturwissenschaft und ganzheitlichen Weltbildern arbeitete er mit an der Entstehung eines neuen ganzheitlich-systemischen Weltbildes. Als engagierter Wissenschaftler appellierte er immer wieder an seine Kollegen, Verantwortung zu übernehmen und ihr wachsendes Wissen für die Zukunftsfähigkeit einzusetzen, anstatt die Zerstörung der Welt zu beschleunigen.

Passionierter Grenzgänger
Hans-Peter Dürr bot als Denker, Wissenschaftler, Aktivist und selber Suchender vielen Menschen eine Orientierung und wurde mit zunehmendem Alter immer mehr zu einer moralischen Instanz in einer zunehmend krisengeschüttelten Welt.
Auch wenn er die Grenzen der Physik als akademische Disziplin immer wieder überschritt, sprach der Quantenphysiker und Alternative Nobelpreisträger Hans-Peter Dürr immer auch als Naturwissenschaftler.
Sein Antrieb, Physiker zu werden und insbesondere zu den Atomen, den Atomkernen und Elementarteilchen hinabzusteigen, entsprang nach Krieg und Zusammenbruch dem Wunsch, „zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält“. Dass Hans-Peter Dürr auf dem Wege hinunter „ins Innerste der Welt“ nicht nur „Philosophen“ wie dem Nobelpreisträger Werner Heisenberg begegnete, sondern mit Edward Teller auch Kernphysikern, die Atombomben bauten, war nicht seine Absicht. Es war aber Grund und Anlass für ihn, ein „passionierter Grenzgänger“ zu werden. Ihm wurde die Ambivalenz der Forschung deutlich: dass tiefe Einsichten auch unmittelbar zu Kenntnissen führen, die unsere Lebenswelt einschneidend verändern, ja sie zerstören können.
Die Erkenntnisse aus der modernen Quantenphysik, die in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts das naturwissenschaftliche Weltbild revolutioniert haben, jedoch bislang spurlos in unserem Alltagsverständnis von Natur geblieben sind, wiesen für ihn den Weg in die Zukunftsfähigkeit. Dieses „Neue Denken“ mit den darin enthaltenen konstruktiven Gestaltungsmöglichkeiten zu vermitteln – das war sein Anliegen.

Welt als Beziehung
Dies „neue Denken“ bedeutet die Überwindung des materialistischen Weltbilds durch die Erkenntnis der Quantenphysik, dass Materie nicht aus Materie aufgebaut ist. Bei der Suche nach dem „Kern“ der Materie entdecken wir eine Welt, die in der Deutung von Hans-Peter Dürr mehr dem Geistigen ähnelt: eine Welt voller Möglichkeiten – ganzheitlich, offen, lebendig. Auch wir Menschen sind, so Dürr, „nicht Teile einer Wirklichkeit, sondern beteiligt an einer Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit wird in jedem Augenblick neu geschaffen, und so bereichert jeder kreative Beitrag von uns die Wirklichkeit unserer Zukunft.“ Hans-Peter Dürr wurde in seinen zahllosen Vorträgen und Schriften nicht müde zu erklären, dass in der Natur alles mit allem auf höchst subtile Weise zusammenhängt und es daher gilt, aus dieser universellen Verbundenheit heraus zu denken und zu handeln. „Wir denken immer noch in den Strukturen des 19. Jahrhunderts und kleben an der Illusion, dass es mit List und Tücke gelingen wird, die Welt in den Griff zu bekommen. Wir haben lange genug an den Ästen gesägt, auf denen wir sitzen. Jetzt wird es Zeit, unseren Platz im Ganzen der Natur neu zu definieren und uns endlich als Teil eines Gesamtprozesses zu verstehen und damit die Chance zu ergreifen, dass jeder und jede von uns einen Teil dazu beitragen kann, das Lebendige lebendiger werden zu lassen.“
Hans-Peter Dürr begeisterte und ermutigte. Er machte Mut zu einem anderen Denken, Mut zu einem anderen Leben. Die Zukunft ist offen, lautete sein Credo – alles ist gestaltbar.

Netzwerke der Zukunft
Ihm gelang es in Vorträgen und Gesprächen, mit seiner bilderreichen Sprache diese abstrakten, von der neuen Physik gespeisten Einsichten verständlich darzulegen und deren Konsequenzen für den politischen und persönlichen Alltag aufzuzeigen. Für ihn war die Zeit reif für einen gesellschaftlichen Wandel. Er selbst wollte aktiv diesen Wandel vorantreiben und gründete 1987 sein ‚Global Challenges Network‘ (GCN e.V.), damals ein fast unverständlicher Namen für eine Initiative. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen und die globalen Herausforderungen waren im Kalten Krieg eingefroren.
Doch Hans-Peter Dürr war Weltenbürger und ein genauer Beobachter. „Es ist ein zunehmender Prozess der Vernetzung von Initiativen und der Kooperation zwischen ihnen zu beobachten. Was entsteht, ist ein lebendiges Netzwerk. Wichtig wird sein sein, ob es uns gelingt, eine „kritische Masse“ zu werden, um wirklich einen Prozess in Gang zu setzen und wir nicht einzelne Rufer in der Wüste bleiben. Diese Lernprozesse sind langsam, aber wir dürfen nicht die Geduld verlieren“.
Deswegen gründete er GCN. Die digitale Vernetzung nahm an Fahrt auf. Aus seiner Vision eines globalen Netzwerkes, das sich den vielen aktuellen Herausforderungen stellt, ist heute die Internetplattform WorkNet:future entstanden – eine stetig wachsende und anschauliche Enzyklopädie von zukunftsfähigen Initiativen und deren Projekten.
Hans-Peter Dürr hat in seinen letzten Lebensjahren diese Verwirklichung seiner Vision begeistert begleitet. Weil er immer unerschütterlich daran festgehalten hat, dass es außerhalb der von Menschen behaupteten Macht und konstruierten Ordnung auf unserem Globus noch etwas anderes gibt: eine realisierbare Vision einer solidarischen, achtsamen Gesellschaft. Lokale und weltumspannende Netzwerke bilden deshalb ein spürbares Gegengewicht zu globalen Irrungen und bereiten den nachhaltigen Umbau unserer Zivilisation vor. Seine Organisation GCN wird weiter an der Sichtbarmachung des globalen Engagements arbeiten.

Ein Pionier der Zukunft ist gegangen. Die Spuren, die er gelegt hat, werden bleiben. „Wenn ich sterbe“, so sagte er kurz vor seinem Tod, „habe ich kein Bewusstsein mehr, aber das, was ich gedacht habe, ist im Hintergrund aufgehoben. Es hat sich mit dem Weltgeist vermengt, hat das Gesamte als Information beeinflusst und steckt darin.“

München, den 19. Mai 2014

Frauke Liesenborghs, Geschäftsführung GCN e.V
Dr. Geseko von Lüpke, Vorstand GCN e.V. / Publizist / Journalist
Dr. Manuel Schneider, Geschäftsführung oekom e.V. und Selbach-Umwelt-Stiftung

Sonntag, 18. Mai 2014

Drei Ausstellungs-Highlights im Frühjahr 2014

Rheinfall_Schaffhausen_Klemm_RGB_pp-klBarbara Klemm, Rheinfall bei Schaffhausen, Copyright Barbara Klemm 2013.

Unter dem bescheidenen Titel „Reisenotizen“ zeigt das Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg bis zum 9. Juni eine bemerkenswerte Ausstellung von Barbara Klemm (Jg. 1939) und Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Die auf zwei Etagen strikt getrennte Doppelausstellung (Kurator: Johannes Janssen, Direktor des Museums) zeigt im Erdgeschoß die fotografischen Schwarz-Weiß-Ergebnisse (meist 30 x 40 cm groß) der Auseinandersetzung von Barbara Klemm mit den im Obergeschoß gezeigten Skizzen, Zeichnungen und Aquarellen des Dichterfürsten und berühmten Reisenden, welche dann im Begleitheft zur Ausstellung ausschnittweise zusammengeführt werden. Während Goethes Werke von nüchterner Bestandsaufnahme bis romantischer Verklärung des jeweiligen Motivs reichen, gibt die ehemalige Bildjournalistin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hier einen Einblick in ihr umfangreiches Schaffen als Landschaftsfotografin, welches in dieser Ausstellung sich der völlig selbständigen Motivstudie auf Goethes Spuren verdankt. Dabei liegen die Schwerpunkte ähnlich Goethe bei Wolken, Felsen, Bäumen, Mondnächten, Wasserfällen und Architekturdarstellungen. Bei der Tochter des Malers Fritz Klemm wurde der Sinn für Komposition und künstlerischen Ausdruck ebenso früh gefördert wie beim vom Vater angeregten Zeichenunterreicht des jungen Goethe. So wie für diesen und viele andere im 18./19. Jahrhundert Zeichenstift und Tuschkasten noch selbstverständliche Reisebegleiter gewesen sind, repräsentieren die freilich künstlerisch völlig eigenständigen Fotografien von Barbara Klemm auch ein bis zum heutigen Tage gerne genutztes Medium nicht nur für Reisende. Die entdeckungsreiche Ausstellung wird Anfang 2015 von der Kooperationspartnerin, der Klassik Stiftung Weimar, übernommen, was auch daran erinnern sollte, daß zahlreiche der gezeigten Bildmotive beider Künstler in den neuen Bundesländern zu finden sind. Für weitere Informationen siehe auch im Internet: altana-kulturstiftung.de.

Gerresheim_Mond-ueber_Buschgehoelz-1903-klAnna Gerresheim, Mond über Buschgehölz, Radierung, 1903, Copyright Privatsammlung.

Von Liebermann bis Nolde. Impressionismus in Deutschland auf Papier“ heißt die noch bis zum 15. Juni laufende Ausstellung der Internationalen Tage Ingelheim (Kuratoren: Ulrich Luckhardt, Dagmar Lott-Reschke), dem herausragenden Kulturengagement von Boehringer Ingelheim seit 1959. Um es gleich vorweg zu sagen: Werkauswahl, künstlerisch-technische wie stilistische Vielfalt und Raumgestaltung im Alten Rathaus von Ingelheim am Rhein haben weitaus mehr Überraschungen und Seherlebnisse zu bieten, als der etwas angestrengte Titel anzukündigen scheint. Wie eigentlich schon seit langem wird jede der jährlichen Ingelheimer Ausstellungen zu einem besonderen Frühlingserlebnis, welches immer wieder neue Facetten gerade auch zu Themen aufweisen kann, von denen man denken konnte, schon vieles zu kennen. So bietet Ingelheim diesmal zahlreiche Beispiele eines durchaus selbständigen deutschen Impressionismus, einem stilistischen Bindeglied zwischen dem Akademismus des 19. Jahrhunderts und der modernen Malerei des frühen 20. Jahrhunderts, dessen Wurzeln bis zur Epochenschwelle um 1800 zurückverfolgt werden können. Dabei liefern die beiden „Flaggschiffe“ des Ausstellungsprojekts gar nicht mal die herausragenden Exponate, sondern es ist die exzellente Auswahl an weniger bekannten Namen und nahezu unbekannten Werken, durch die diese Präsentation besticht. Neben Lovis Corinth (1858-1925) sind da Ermst Eitner (1867-1955) zu nennen und Arthur Illies (1870-1952), neben Otto Modersohn (1865-1943), dessen Kabinett mir zu „sumpfig“ anmutet, vor allem Anna Gerresheim (1852-1921), Lesser Ury (1861-1931) und Christian Rohlfs (1849-1938). Symbolistische Einflüsse und solche aus dem Jugendstil verbinden sich hier mit atmosphärischen Tageszeiten und teilweise visionären Naturstimmungen. Das Skulpturen-Foyer im Obergeschoß des Alten Rathauses zeigt tiefgründige Plastik von Clara Westhoff-Rilke, darunter Porträtbüsten von Rilke, Vogeler und Dehmel. Eine weitere Überraschung der Ausstellung sind die zahlreichen Beispiele früher Fotodrucktechniken in ausgezeichneter Erhaltung. Homepage: internationale-tage.de.

fritz-bauer-APFritz Bauer, Foto: AP.

Das Jüdische Museum Frankfurt zeigt bis zum 7. September 2014 seine lange erwartete Ausstellung über den Frankfurter Generalstaatsanwalt Dr.Fritz Bauer (1903-1968; Kuratorin: Monika Boll), dem Sozialisten und SPD-Mitglied aus jüdischer Familie, der schon nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten Anfang 1933 ein Jahr lang im Konzentrationslager Heuberg gefangen gehalten wurde und danach für 13 Jahre ins Exil nach Dänemark ging. Dort wurde er als politischer Flüchtling anerkannt, aber als Homosexueller observiert. Er hat sich auch nach seiner Rückkehr in „sachlicher Leidenschaft“ (2, 43) für ein besseres und humanes Strafrecht eingesetzt, war seit dem 11. 2. 1963 Mitglied der Schopenhauer-Gesellschaft und seit dem 19. 11. 1961 der Humanistischen Union geworden, deren Veranstaltungen er besuchte, wie die Ausstellung dokumentiert. Am 14.12. 1966 hielt er im Vortragssaal der Universitätsbibliothek den Vortrag „Schopenhauer und die Strafrechtsproblematik“. Er paßte damit nicht ins damalige Bild, in dem ein Staatsanwalt vor allem die Staatsräson zu vertreten hatte, nach der des Bürgers erste Pflicht der Gehorsam gegenüber der Obrigkeit zu sein hatte. Im sozialdemokratisch regierten Hessen eines Georg-August Zinn stand Bauer jedoch nicht auf verlorenem Posten. Im Jahre 1968 initiierte und leitete er den Frankfurter Auschwitz-Prozeß. Die Ausstellung führt in 17 Stationen durch Bauers Lebenswerk, zu dessen herausragenden Verdiensten auch die Rehabilitation des Widerstands vom 20. Juli zählt. Hinweisen möchten wir bei dieser Gelegenheit auch auf die wichtige Arbeit von Jean-Pierre Stephan (geb. 1965), der im Bulletin des Fritz Bauer Instituts bereits aufschlußreich berichtet hat über die Freundschaft und Korrespondenz zwischen Fritz Bauer und Thomas Harlan (1929-2010), des Romanciers und Regisseurs, der in gewisser Weise Bauers Absichten unterstützte bzw. ihm zuarbeitete dadurch, daß er in den Archiven der Volksrepublik Polen seit 1960 zum Völkermord der Deutschen an den Juden recherchierte und in der Folgezeit insgesamt über 2000 Strafanträge gegen diejenigen Täter stellte, die noch lebten und sich identifizieren ließen, während in der jungen Bundesrepublik Deutschland die Amnestiekampagnen für die ehemaligen Völkermörder aus der Nazizeit liefen. (1) Er war der älteste Sohn Veit Harlans (1899-1964), des Regisseurs von so einschlägig wirksamen rassistischen Hetzfilmen wie „Jud Süß“. „Der unangemessene Umgang der Adenauer-Republik mit der deutschen Schuld war es, was Bauer und Harlan zusammenbrachte.“(1, 37) Bis 1962 war Harlans Täter-Kartei bereits auf 17000 Namen angewachsen, unterstützt von Giangiacomo Feltrinelli (1926-1972). 1967 erschien zudem das in der DDR herausgegebene „Braunbuch: Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik“, welches auch in der Frankfurter Ausstellung zu sehen und in einigen seiner Wirkungen dokumentiert ist, etwa betreffend Adenauers Kanzleramtsminister Hans Globke (1898-1973). Fritz Bauer war einer der ganz wenigen, die von Anfang an gegen die grassierende „Schlußstrich“-Mentalität Front machten. Er gehörte zu den wenigen Generalstaatsanwälten, welche das Angebot der DDR zum Austausch von Beweisdokumenten gegen ehemaligen NS-Verbrecher annahmen. Die spannende Ausstellung im Jüdischen Museum zeichnet mit einer Fülle von Dokumenten, Fotografien und Archivalien, sowie mit einer Folge von Hörstationen, ein gut nachvollziehbares Porträt dieses beispielhaft engagierten Menschen Fritz Bauer.

Quellenhinweise:
(1) Fritz Bauers Briefe an Thomas Harlan: Eine deutsche Freundschaft, von Jean-Pierre Stephan, in: Einsicht 09: Bulletin des Fritz Bauer Instituts, Frankfurt am Main: Frühjahr 2013, S. 36-44. Inzwischen berichtet das Fritz Bauer Institut, daß ihm die Briefe Fritz Bauers aus den Jahren 1962-1968 an Thomas Harlan überlassen worden sind (3, 1).
(2) Die Todesumstände von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, von Dieter Schenk, in: Einsicht 08: Bulletin des Fritz Bauer Instituts, Frankfurt am Main: Herbst 2012, S. 38-43.
(3) Ausstellung und Publikationen zu Fritz Bauer, in: Einsicht 11: Bulletin des Fritz Bauer Instituts, Frankfurt am Main: Frühjahr 2014, S. 6 ff.

Donnerstag, 17. April 2014

Alternativkulturen im deutschsprachigen Raum Europas 1970-2000

Mary-Bauermeister-All-things-Detail-Foto-TGR-2010-kl-Mary Bauermeister, All things involved in all other things (Detail), Foto: Thilo Götze Regenbogen 2010/2014.

Das Forschungsprojekt ALTERNATIVKULTUREN IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM EUROPAS 1970-2000 wurde mit der "Berliner Skizze" des Vorhabens am 1. Mai 2011 gestartet und einem ersten Verteiler von Interessenten zugesandt.

Mit Stand von 1. Mai 2014 liegen bisher folgende Publikationen mit Forschungsberichten dazu im EygenArt Verlag vor und können dort bestellt werden:

Reihe FUNDUS, Heft 5: Buddhismus in der DDR als Forschungs- und Sammlungsschwerpunkt der Neun Yanas Bibliothek, Forschungsbericht 1.2012, 16 Seiten mit Abb., geheftet, 29,7 x 21 cm.

Reihe FUNDUS, Heft 6: Reimar Lenz und Hans Ingebrand als Forschungs- und Sammlungsschwerpunkt des Archiv Alternativkulturen, Forschungsbericht 2.2012, 16 Seiten mit Abb., geheftet, 29,7 x 21 cm.

Reihe FUNDUS, Heft 8: Die Sammlung Thilo Götze Regenbogen (STGR), Forschungsbericht 3.2012, 16 Seiten mit Abb., geheftet, 29,7 x 21 cm.

Reihe FUNDUS, Heft 10: Grenzgänge 1980-2008: Kulturfeldkonflikte im Pressespiegel, Forschungsbericht 5.2013, 24 Seiten mit Abb., geheftet, 29,7 x 21 cm.

Reihe PARALIPOMENA, Heft 5: Friedensreich Hundertwasser und Die unendliche Linie von Hamburg 1959, Bremen 2012; Forschungsbericht 4.2013, 20 Seiten mit Abb., geheftet, 29,7 x 21 cm.

Reihe PARALIPOMENA, Heft 7: 33 Notate 1914, eine Lektüre-Empfehlung von TGR, Forschungsbericht 6.2013, 24 Seiten mit Abb., geheftet, 29,7 x 21 cm.

Träger des Vorhabens ist das Raum 1 Forschungsinstitut für Gegenwartskunst in Hofheim am Taunus, Leitung: Thilo Götze Regenbogen.

Die Reihe FUNDUS im EygenArt Verlag publiziert Aspekte der Sammlung Thilo Götze Regenbogen und die Reihe PARALIPOMENA greift Themen wieder auf, die in den Büchern "Dialektik des Mitgefühls" (2002), "Der verschollene Diskurs" (2004) und "Feldbefreier in Kunst, Wissenschaft und Weisheit" (2010) einführend behandelt wurden und die nun im Rahmen des Forschungsprojekts Alternativkulturen weiter verfolgt wurden.

Samstag, 15. März 2014

Alexej von Jawlensky und Pater Jan Willibrord Verkade

Foto-TGR-bis-140314-011aFoto: Thilo Götze Regenbogen. Seit März und noch bis Juni ist in Raum 1 Hofheim die 9. Feldbefreier-Vitrine zu sehen, zum 150. Geburtstag von Alexej von Jawlensky dessen Freundschaft und Korrespondenz mit dem Ex-Nabi und Benediktiner-Pater Jan Willibrord Verkade aus Beuron gewidmet. Wie in meinem Buch Der verschollene Diskurs (2004) nachgelesen werden kann, geht es zwischen den beiden um einen für die Beziehung von Spiritualität und Kunst grundlegenden Streit, bei dem argumentativ Jawlensky nicht mithalten konnte. Wie man aber an seinen Werkfolgen und insbesondere an den Wiesbadener Meditationen der Spätzeit sehen kann, hat er das selbst beauftragte Pensum zur Vollendung gebracht und so etwas wie die Ikonenmalerei des 20. Jahrhunderts geschaffen, während Verkade eine Fußnote seiner Nabi-Zeit geworden ist, aber auch eine Reihe sehr erfolgreicher Bücher geschrieben hat, von denen in der Vitrine drei zu sehen sind.

Gäste mit vereinbartem Besuchstermin wieder gerne willkommen!
Bitte eine Mail an tgr@tgregenbogen senden.

Donnerstag, 20. Februar 2014

1914 Die Avantgarden im Kampf 2014

1914_meidner2klLudwig Meidner, Schrecken des Krieges, 1911, Feder, Pinsel auf Papier, Courtesy Skulpturenmuseum Glaskasten Marl 2014.

Bereits im August 2013 erschien im EygenArt Verlag:
33 Notate 1914.
Eine Lektüre-Empfehlung von Thilo Götze Regenbogen
Edition 7 der Folge PARALIPOMENA im EygenArt Verlag
24 S., 2 Abb., 29,7 x 21 cm, August 2013
in gestempeltem Umschlag, EUR 15.00 zzgl. Versandpauschale EUR 3,00.

Heute wurde eine auf 60 Notate erweiterte Fassung der mit 40 Seiten sehr umfangreichen Lektüre-Empfehlung aus unserer Forschungsarbeit fertiggestellt, die allen Bestellern des Paralipomana-Heftes kostenlos als pdf-Dokument übermittelt wird. Notat 21 ist zugleich die Besprechung der vorzüglichen Ausstellung in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland:

"21.Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zeigt in Zusammenarbeit mit dem Pariser Grand Palais eine Ausstellung unter dem Titel „1914. Die Avantgarden im Kampf“ , die vom 8. November 2013 bis zum 23. Februar 2014 läuft. Anhand von ca. 300 Exponaten – Gemälden, Grafiken, Skulpturen, Fotografien u.a. – untersucht die Ausstellung das Schicksal der modernen Künstler im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erblühte in Europa ein ganzer Strauß künstlerischer Avantgarde-Bewegungen, die im Kampf gegen das Althergebrachte und den Akademismus international neues Terrain eroberten. Während besonders zwischen Deutschland und Frankreich politische Feindschaft propagiert wurde, arbeiteten die Künstler über die Grenzen hinweg so eng zusammen wie nie zuvor.
Der Ausstellungsrundgang beginnt mit bedeutenden künstlerischen Standpunkten der Vorkriegszeit – von Picasso über Malewitsch, Kandinsky, Matisse, Lehmbruck bis zu Brancusi. Anschließend wird die „Avantgarde in Uniform“ porträtiert, denn zahlreiche Künstler zogen zunächst mit Begeisterung in den Krieg. Manche von ihnen – Boccioni, Macke, Marc, Gaudier-Brzeska – bezahlten dafür mit ihrem Leben. Für die Entwicklung der Moderne war der kriegsbedingte Zusammenbruch der internationalen künstlerischen Kooperation eine Katastrophe. Der dritte Teil der Ausstellung berichtet von den schweren Erschütterungen, die der Krieg schon seit dem Ende des Jahres 1914 bei vielen Künstlern auslöste. Existenzielle Erfahrungen von Leid und Zerstörung führten Maler und Zeichner wie Beckmann , Kirchner, Dix, Schiele oder Klee zu neuen bewegenden Themen und bildnerischen Verfahren. Als Abschluß des Rundgangs bieten wegweisende Werke von Duchamp, de Chirico, Mondrian und von Dada-Künstlern Perspektiven für das 20. Jahrhundert.
Sympathisch und überzeugend die entschiedene Haltung der Bundeskunsthalle (Intendant Rein Wolfs) und des renommierten Kurators Uwe M. Schneede, auf hochkarätige internationale Kunst zu setzen, also mit den damals entstandenen Werken selbst das Feld in chronologischer Folge zu akzentuieren, welches mit den Jahren um 1914-1918 gemeint ist. Die begleitende Ausstellung von Jay Winter „Vermißte Söhne: Der Krieg als Akt der Auslöschung“ macht zudem anschaulich, daß es eine Frage von Leben und Tod war, in die Schlachten dieser Zeit eingebunden zu sein und daß es eine Kontinuität der Trauer um die verschwundenen Toten als globales Thema gibt so wie dieser Krieg ein globaler gewesen ist. So macht die Hauptausstellung viele wichtige Tendenzen der Zeit simultan deutlich, ohne in der konkreten Raumfolge Verwirrung zu stiften: die Militanz Einzelner, die Internationale jeweiliger Patriotismen und der Kampf gegen den Materialismus der wilhelminischen Ära; den Zusammenbruch des Kunstsystems ab 1914 selbst auch dadurch, daß wichtige Künstler in Uniform steckten oder ins Exil getrieben wurden; die tiefgehenden Erschütterungen durch das Kriegserlebnis selbst; die exemplarischen Ansätze individuellen Neubeginns nach dem Kriege, dies alles dargestellt „in aller Komplexität an wesentlichen Kunstwerken“ (Schneede). Diese Ausstellung ist in der Auswahl und Einrichtung der Exponate eine kuratorische Meisterleistung. Und als P.S.: Daß der Museums-Shop abgeräumt wurde, ist ebenso wegweisend! "

Mittwoch, 12. Februar 2014

Georg Büchner in Darmstadt

LIMBACH-klAugust Hoffmann (Zeichnung), Anton Limbach (Stich), Georg Büchner, Frontispiz in: Karl Emil Franzos, Georg Büchner, Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß, 1879, Georg Büchner Gesellschaft e.V., Marburg, Foto: G. Schuster. Hier der aktualisierte Newsletter als PDF zum Download: TGR-NL-MathBUeCHNER-doc (pdf, 685 KB) und bitte nicht vergessen:

Am Donnerstag, den 13. Februar um 19 Uhr diskutieren Burghard Dedner , Peter Engels, Matthias Gröbel und Hartmut Holzapfel mit Ludger Hünnekens und Ruth Wagner in einem von Ralf Beil moderierten Podiumsgespräch im Vortragsaal des Staatsarchivs Darmstadt über das Thema: „Ein Museum für Büchner in Darmstadt?“ Drei Tage vor Ausstellungsschluß geht es um die Frage, ob Darmstadt einen dauerhaften Ort zum Gedenken an den berühmtesten und so früh verstorbenen Sohn der Stadt (1813-1837) findet.

Montag, 10. Februar 2014

Der neue Raum 1

Foto-TGR-2014-014Thilo Götze Regenbogen, 3 Werke aus der neuen Ausstellung "Thilo Götze Regenbogen, Der neue Raum 1" (2003-2014), Hofheim, Februar bis Juli 2014. Siehe auch Portfolio 9 dazu im Bereich Publikationen: http://tgregenbogen.twoday.net/stories/665714677/ Besuche bitte per Mail an tgr@tgregenbogen.de vereinbaren.

Mache ich phantastische Kunst?

TGR-WVNr-3990Thilo Götze Regenbogen, WV-Nr. 3390 aus dem sechsten Raum 1 Akzent "Der neue Raum 1", Februar-Juli 2014. Hier PORTFOLIO 9 zum DownloadTGR-PORT-9-Mache-ich-phantastische-K- (pdf, 1,242 KB) Für Besuche in Raum 1 bitte Termin vereinbaren mit Mail tgr@tgregenbogen.de

Dienstag, 28. Januar 2014

Ein Surrealist in Paris: Otfried H. Culmanns phantastisches Passagenwerk

Front_-_BuchAusführliche Rezension dieser empfehlenswerten Neuerscheinung im Raum 1 Informationsdienst 280114 hier zum Download: TGR-NL-RezOtfriedParis13-doc (pdf, 717 KB)

Dienstag, 14. Januar 2014

Meine Zeit mit Helmut Göring 1966-1971

Das 12. FUNDUS-Heft ist ab sofort lieferbar:

Thilo Götze Regenbogen
21 Notate zur Zeit mit Helmut Göring 1966-1971
Autobiografische Facetten, Teil 1, hrsg. von Thilo Götze Regenbogen
Heft 12 der Folge FUNDUS im EygenArt Verlag, Februar 2014
16 S., sieben Abbildungen, 29,7 x 21 cm, geheftet
in gestempeltem Umschlag, EUR 12.00 zzgl. Versandpauschale EUR 3,00

Hier eine so im Schwarzweiß-Heft nicht reproduzierbare Abbildung aus dem Text:
Foto-TGR-032
Thilo Götze (Regenbogen), Collage, 4. Sem. (9.11.1967, Ausschnitt)

Bestellungen per Mail oder Brief sind ab heute möglich, entweder ans Postfach 1288, 65702 Hofheim am Taunus oder an tgr@tgregenbogen.de

Ab Februar und bis Ende Mai ist in Raum 1 zu sehen:
Meine Jahre mit Helmut Göring 1966-1971.
Die 10. Feldbefreier-Vitrine in der Sammlung Thilo Götze Regenbogen
zeigt Aspekte der Arbeit von Helmut Göring (1917-2013)
an Meisterschule und Werkkunstschule Kaiserslautern:
seine Grundkurse ab 1966, die Aktkurse 1969-1970,
die Bezüge zur ars phantastica mit Radierungen von Otfried H. Culmann
und Paul Bechtler und zum 1969 gegründeten Lotos-Studio
von Thilo Götze (Regenbogen) in Bad Dürkheim an der Weinstraße.

Foto-TGR-2014-051
Göring-Vitrine (Detail): Aktkorrektur, Paul Bechtler "24 Stunden Rhythmus" (1969), Grundkurs-Arbeiten, Foto: TGR

Besucher werden gebeten, einen Besichtigungstermin zu vereinbaren,
da Raum 1 keine regulären Öffnungszeiten hat.

Montag, 9. Dezember 2013

Zur Erinnerung an den Bündner Bildhauer Giuliano Pedretti (1924-2012). Schenkung "Beil des Jenatsch II" an das Kulturarchiv Oberengadin (Schweiz)

TGR-bis-220813-024aThilo Götze Regenbogen, WV-Nr. 2701 „Beil des Jenatsch II“, Collage 1989. Hier der Archiv- und Forschungsbericht Portfolio 8 zur abgebildeten Collage, die seit Dezember 2013 in der Sela Giuliano Pedretti in Samedan besichtigt werden kann, dem Raum mit dem schriftlichen Nachlaß des großen Bildhauers, Sgraffiti-Meisters und Kulturforschers Giuliano Pedretti: PORTFOLIO-8-im-EygenArt-Verlag-2013 (pdf, 584 KB) Der Bericht enthält auch eine vollständige Liste unserer bisherigen Beiträge und Publikationen zum Künstler.

Freitag, 22. November 2013

Ausstellung zu Padmasambhava in Berlin

PadmasambhavaFoto: Sammlung Thilo Götze Regenbogen.

Museum für Asiatische Kunst, Berlin
28. November 2013 - 6. April 2014:

Die Acht Aspekte des Kostbaren Lehrers - Padmasambhava in Kunst und Ritual im Himalaya
Padmasambhava - ehrenvoll auch Guru Rinpoche, "Kostbarer Lehrer" genannt - gilt als der wichtigste tantrisch-buddhistische Meister der Himalayaregion und unter vielen Praktizierenden des tibetischen Buddhismus auch als der "zweite Buddha", obwohl dieser Titel auch schon dem Mahasiddha Nagarjuna gegeben worden ist. Ihm wird zugeschrieben, im 8. Jahrhundert den Buddhismus in diesem weitläufigen Gebiet etabliert zu haben. Dies soll ihm durch die Bezwingung von Dämonen und lokalen Gottheiten sowie durch einen Ritualtanz gelungen sein, der als Prototyp heutiger Maskentänze gilt. Einige Dämonen transformierte er sogar zu Beschützern der Religion, die bis heute Hauptfiguren in tibetischen Ritualtänzen (Cham) sind.
Im Zentrum der Berliner Ausstellung stehen Padmasambhavas acht Erscheinungsformen. Sie sind in Thangkas, Masken, Ritualgegenständen, an Pilgerorten und in rituellen Tänzen verkörpert. Um sowohl die alte und historische als auch die zeitgenössische und lebendige Tradition von Padmasambhava aufzuzeigen, wird mittelalterliche Geschichte des Himalaya mit Kunstobjekten aus späterer Zeit und mit Filmaufnahmen und Masken von heute in Dialog gesetzt. Dabei steht das neu restaurierte Thangka-Set (neun Malereien) des Museums für Asiatische Kunst im Fokus der Ausstellung. Zum ersten Mal wird das Thema Guru Rinpoche und seine acht Erscheinungsformen gemeinsam von Kunsthistorikern und Ethnologen präsentiert. Kunsthistoriker analysieren die Darstellung von Guru Rinpoche und seinen acht Aspekten und die historischen Ursprünge. So wurden die Berliner Thangkas nicht nur einer systematischen Analyse unterzogen, sondern auch als materielle Kulturträger zwischen Ritualobjekt und Verkörperung von Geschichte in ihrem spezifischen kulturellen Kontext untersucht. Ethnologen beleuchten den Ritualkontext und wie die Tradition der Verehrung Padmasambhavas bis heute das Alltagsleben der Menschen in Bhutan und Ladakh beeinflusst.
Neben der neunteiligen Thangka-Folge und weiteren Objekten aus der Sammlung des Museums für Asiatische Kunst und des Ethnologischen Museums werden neue, von einem tibetischen Maskenbauer hergestellte Cham-Masken präsentiert. Jeder Schritt im Herstellungsprozess dieser Masken wurde in Ladakh fotografiert und dokumentiert. Die Reihe von neun Masken stellt die acht Aspekte von Guru Rinpoche in den Cham-Tänzen dar, die insbesondere während der alljährlich stattfindenden Tshechu-Feste zu Ehren Padmasambhavas in Klöstern der Nyingmapa- und Drugpa-Kagyü-Schulen im tantrisch-buddhistischen Himalayaraum sowie in Tibet und im tibetischen Exil aufgeführt werden.
Doch Guru Rinpoche hat auch an bestimmten Orten und in Felsen, die später zu seinen Pilgerstätten wurden, seine Spuren hinterlassen. Der für die Ausstellung in Auftragsarbeit aufgenommene Film "Gomphu Kora Tshechu - ein Pilgerfest zu Ehren Guru Rinpoches in Ostbhutan" zeigt einerseits den Pilgerort Gomphu Kora, an dem Padmasambhava wichtige Dämonen besiegte, und andererseits die Maskentänze des Guru Tsengye, die ihm zu Ehren hier während des Tshechu aufgeführt werden. Der 30 minütige-Film ist im Medienraum der Ausstellung fortlaufend zu sehen.
Auch Ritualgegenstände wie Vajra (Diamantzepter) und Phurba (Ritualdolche), die zu den wichtigsten Attributen und "Werkzeugen" Padmasambhavas gehören, werden ausgestellt und zu Fotografien der Masken und Tänze sowie Landschaftsaufnahmen von heiligen Orten, in denen Guru Rinpoche verkörpert ist, in Bezug gesetzt. So werden die Ausstellungsobjekte in lebendige Zusammenhänge zwischen erzählter Legende und historischen Ereignissen einerseits und eine in ihre Landschaft und ihr Ritual eingebettete Kultur anderseits gebracht. Wissenschaftliche Fachvorträge, Führungen, Meditationsanleitungen für Erwachsene sowie Tanzworkshops für Kinder und Jugendliche werden im Begleitprogramm angeboten.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Kuratorin: Lilla Russell-Smith
Ko-Kurator: Hans-Werner Klohe

Veranstalter: Museum für Asiatische Kunst, Ethnologisches Museum in Kooperation mit dem Ethnologischen Museum, Staatliche Museen zu Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Ein Hinweis in eigener Sache: In der Sammlung Thilo Götze Regenbogen finden sich zahlreiche Darstellungen Padmasambhavas und die dortige Neun Yanas Bibliothek enthält viele Titel zu diesem herausragenden Meister, der seit langem auch Wirkung im Westen entfaltet.

Donnerstag, 21. November 2013

Joseph Beuys' "Intuition" (1968) im Vögele Kultur Zentrum in Pfäffikon (Schweiz)

Foto-VoegeleKulturZentrum-2013Foto: Vögele Kultur Zentrum 2013. Das Vögele Kultur Zentrum der Stiftung Charles und Agnes Vögele in Pfäffikon (Schweiz) hat gerade eine spannende Ausstellung über „das Abenteuer Bildung: Über Pflicht, Lust und Ideen im Lauf der Zeit“ eröffnet, die noch bis März 2014 zu sehen sein wird. Geöffnet ist die über zwei Etagen laufende, vielfältige Präsentation Mittwoch-Sonntag 11.00-17.00 Uhr und am Donnerstag 11.00-20.00 Uhr. Ein Bulletin ist ebenfalls erschienen, in dem Konzeption und Gehalte der Ausstellung ansprechend illustriert werden. Nähere Informationen im Internet unter der Adresse voegelekultur.ch.
Foto-VoegeleKulturZentrum-20131Foto: Vögele Kultur Zentrum 2013. Die von Dr. Andreas Schwab und Dr. Beate Schappach (Palma3, Bern) kuratierte Ausstellung beleuchtet das Thema Bildung als Abenteuer, Erfahrung und Erinnerung, als lebenslange Aufgabe. Die Sammlung Thilo Götze Regenbogen ist mit dem Multiple „Intuition“ (1968) von Joseph Beuys beteiligt. Die Kuratorin Beate Schappach schrieb den Text, der nun am Podest der zugehörigen Vitrine zu lesen ist:
Foto-VoegeleKulturZentrum-20132Foto: Vögele Kultur Zentrum 2013. „Vor dem Hintergrund der Aufbrüche der 68er Bewegung wollten viele Künstler das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft neu denken. Mit den ‚Intuitionskisten‘ präsentierte Joseph Beuys diesen Anspruch öffentlich. Statt als Dozent seine handverlesene Meisterklasse an der Kunstakademie Düsseldorf zu unterrichten, baute er 12000 Holzkisten und verkaufte sie vor den Toren der Akademie zum Preis von 8 DM: künstlerische Intuition für jedermann. Kreativität sollte nicht einer Elite vorbehalten bleiben und Kunstwerke nicht in Kunsttempeln bewundert werden. Sie sollte im Alltag wirksam werden und zu gesellschaftlicher Veränderung beitragen. Ist es Ironie des Schicksals, dass die Intuitionskisten heute in Kunstsammlungen bestaunt werden?´" Beide Kuratoren zeichneten 2008 auch für die bahnbrechende Ausstellung "Die 68er" im Historischen Museum Frankfurt am Main verantwortlich, die im ganzen deutschsprachigen Raum Europas Beachtung fand. Die Sammlung Thilo Götze Regenbogen, zu der auch das Archiv Alternativkulturenund das Joseph Beuys Archiv gehören, hat 2008 auch dieses ambitionierte Vorhaben durch umfangreiche Leihgaben unterstützt.

Donnerstag, 14. November 2013

Anish Kapoor bis 24.11.13 im Gropiusbau Berlin

Foto-Thilo-Goetze-Regenbogen-6-13-122Anish Kapoor, 1st Body, 2013, Kunstharz (Detail), Copyright Anish Kapoor/VG Bild-Kunst Bonn 2013, Foto: TGR. Der 1954 in Bombay geborene und in England ausgebildete Künstler hat während 30 Jahren ein herausragendes und sublimes Werk an Skulpturen geschaffen, das sich durch visuelle Prägnanz, leuchtend reine Farbigkeit und universelle Symbolik auszeichnet. Seinen umfangreichen Serien von pigmentierten Objekten und nun lackiertem Fiberglas und Edelstahl eignet eine spirituelle, raumbezogene Dynamik, welche sich im Prozeß der Werkbegegnung manifestiert (Mother as a Void, 1989-90; Building for a Void, Descent into Limbo, beide 1992). Wir haben aus unserer Berliner Dokumentation bewußt zwei Arbeiten aus dem jüngsten Werkzyklus ausgewählt, weil sie so vieldeutig und kraftvoll zum Ausdruck bringen, wo wir jetzt stehen. Die resultierenden Figurationen wirken trotz der amorphen Masse als Spirale, Tropfsteinsegment, Stamm allerdings keineswegs beliebig.

Foto-Thilo-Goetze-Regenbogen-6-13-133Anish Kapoor, Stick Men I-X (Detail), Zement, 2012-2013, Copyright Anish Kapoor/VG Bild-Kunst Bonn 2013, Foto: TGR. Hier einige Impressionen: Im großen Saal die Wucht des Geschehens in der Vorstellung, was hier passiert ist oder passieren könnte, kontrastiert vom leisen Geräusch der Förderbänder in der Realität. Unvorhersehbar, wann etwas geschieht. Und schon stürzt ein roter Quader; mit lautem Knall trifft er auf die schon am Boden liegenden auf.
Duftende Tore organischen Materials in Zartrosa. Zahlreiche Entdeckungsmöglichkeiten neuester Arbeiten dieses vielseitigen Künstlers. Größe des Werkes gleich Stärke des Eindrucks? Ich weiß es noch nicht. Jedenfalls nehmen die Formate weiter zunehmend monumentale Ausmaße an. Die Arbeit mit PVC-Plane „The Death of Leviathan 2011-2013“ lebt dagegen von der Vorstellung ihrer Größe. „Shooting into the Corner“: Alles wartet gespannt oder entspannt – das ist es, was geschieht, das Warten, Sein, das Werk der Anlaß.
„Decent into Limbo“ von 1992 (documenta 1992, eingeladen von Jan Hoet, die wichtigste documenta für unseren Forschungsschwerpunkt!), neu installiert für Berlin, bleibt ein Geheimnis der Vorstellungskraft.
Erstaunlich: Eine schwarze Ecke von Kapoor, "Dirty Corner", 2010), aber kein Kommentar zu Beuys, denke ich.

Alles in allem eine herausragende Präsentation dieses Ausnahmekünstlers, Retrospektive und aktuelle Werkschau in einem, sowohl die stilleren wie die spektakulären Werke umfassend. Am 1. November meldet der Gropiusbau den 100000. Besucher. Salut! Es ist noch Zeit bis zum 24. November, die Zahl zu verdoppeln! Wir wünschen gutes Gelingen und danken für eine ausgezeichnete kuratorische Arbeit des Martin-Gropius-Bau Berlin.

Dienstag, 12. November 2013

Ang Tsherin Sherpa und die tibetische Gegenwartskunst

BabySpiritAng Tsherin Sherpa, BABY SPIRIT # 1, 23" x 17.5", Gouache, acrylic and gold leaf on paper, 2010, Copyright Ang Tsherin Sherpa/Rossi & Rossi 2013. Hier die ausführliche Besprechung und Kritik: TGR-ATS2013a-doc (pdf, 500 KB)
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