Forschung

Dienstag, 1. Februar 2011

Zur Lage auf dem Dach der Welt: Staudammprojekte

Staudammprojekte auf dem Dach der Welt Und hier das E-Buch der Tibet Women's Association (TWA) dazu: http://tibet3rdpole.org/wp-content/uploads/tibet-third-pole-booklet-resized.pdf Die Karte gibt es auch größer auf der Seite des tibetischen Umweltexperten Tashi Tsering: http://tibetanplateau.blogspot.com/2010/05/damming-tibets-yarlung-tsangpo.html

Mittwoch, 19. Januar 2011

Arthur Schopenhauer in Frankfurt am Main

Copyright Foto Thilo Götze Regenbogen 2010TGR-KK-Schopenhauer2010 (pdf, 686 KB)

Dienstag, 11. Januar 2011

Archiv-Recherche „Târâ von großer Schönheit“

Der vierte Raum 1 Akzent, Teil 1, Außenvitrine 2008 (Detailansicht), Foto: Thilo Götze Regenbogen Der vierte Raum 1 Akzent, Teil 1, Außenvitrine 2008 (Detailansicht), Foto: Thilo Götze Regenbogen

Vierter Raum 1 Akzent: 68.69 Dylan Adorno Govinda

Eine autobiografische Montage von Thilo Götze Regenbogen

in zwei Teilen: Mai 2008 bis April 2009

Inhaltsverzeichnis

Eingangs
Abkürzungen
Orte und Bereiche der Ausstellung
Archivsignatur, Titel, Kurzcharakteristik
Chronologie zum gesamten Feld
Liste lieferbarer Arbeiten
Impressum
Dokumente 1
Raum 1

Abkürzungen

2511 buddhistische Zeitrechnung, ab Mai 1967
2512 buddhistische Zeitrechnung, ab Mai 1968
2513 buddhistische Zeitrechnung, ab Mai 1969
2514 buddhistische Zeitrechnung, ab Mai 1970
9YB Neun Yanas Bibliothek
A68 Archiv 68 in Raum 1
ALB Album
ARB Arbeits- und Tagebücher
B Bibliothek
DHA Dharma, buddhistische Lehre
DIA Diapositiv
DOK Dokumente, Drucksachen
ENZ Material aus dem Zusammenhang der Raum 1 Enzyklopädie
FIU Freie Internationale Hochschule für Kreativität und Interdisziplinäre Forschung
FOT Fotografie, Negativ oder Abzug vom Negativ oder Dia
GAL Galerie
JBA Joseph Beuys Archiv in Raum 1
K1 Kommune 1
KAL Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres-, Zehnjahres-Kalender
KOR Korrespondenz
KÜN Künstler, auch Archivbereich Künstler, alphabetisch
KV Kunstverein
LP Langspielplatte oder Album
LS Lotos-Studio
LSBD Lotos-Studio Bad Dürkheim
LSHf Lotos-Studio Hofheim
LSHh Lotos-Studio Hochheim
LSKr Lotos-Studio Kriftel
MBA Modern Buddhist Art
MSK Manuskript
NSG Notstandsgesetze
OBJ Objekte, Werke, Gegenstände, Mobiliar
PLA Plakat
PUB Publikationen, eigene und in anderen Verlagen
R1 Raum 1
R1H Raum 1 Hofheim
R1K Raum 1 Kriftel
SDS Sozialistischer Deutscher Studentenbund (D), Students for
a Democratic Society (USA)
SM Schreibmaschine
STGR Sammlung Thilo Götze Regenbogen
TGR Thilo Götze Regenbogen
TSK Typoskript
TXT Text
VLG Verlag
WKS Werkkunstschule
WV Werkverzeichnis
MAG Erscheint im Raum 1 Magazin
I+II Wird in Teil 1 und/oder Teil 2 der Ausstellung zu sehen sein.

STGR.KÜN.WV.004 Thilo Götze Regenbogen, Lama Govinda, Fahne aus der Aktion Rote Ecke im Kontext der Ausstellung WESTBLOCK, Raum 1 Kriftel 1994. Fotokopie auf Papier 297 x 106 mm, Abtönfarben, Rundholz, Angelfett, 1994. I

STGR.A68OBJ.011 Thilo Götze Regenbogen, Drei Stempel 1969, Probe-Montage-Druck dreier Holzstempel aus dem LSBD auf Makulaturpapier, um 1969. Im Holzrahmen 102 x 102 mm. I

STGR.A68OBJ.012 Thilo Götze Regenbogen, Stempel „TG“, Holzstempel, Zinnober-Tempera, 58 x 26 x 19 mm, ca. 1968. I

STGR.A68OBJ.013 o.T., buddh. Kleinplastik, vermutlich Indien oder Nepal, 1960er Jahre, erworben um 1966 in Mannheim. Die erste buddhistische Plastik auf dem Schrein im LSBD 1968. 124 x 78 x 70 mm, Bronze, schwarz lackiert, Lack z.T. abgerieben. Zur ikonografischen Bestimmung siehe Arbeitsblatt 6 der STGR und die Fußnote hier (1) . I

STGR.A68OBJ.014a-b (1-) LOTOS-STUDIO-Adressen-Kartei, 2. bis letzte Fassung (enthält Karten aller Stadien der Kartei von Bad Dürkheim über Hochheim und Hofheim bis Kriftel 1969-1992). Zwei offene Schachteln mit eingestellten Karten und div. Zetteln und Ergänzungen, Zustand 2008 nur noch z.T. in alphabet. Folge, (a) 17 x 13 x 14 cm und (b) 17,5 x 12,5 x 14 cm, Karton und Papier mit versch. Arten der Beschriftung. Ungezählte Karten (1-). II

STGR.WV.1055 Küchenregal (Das psychedelische Regal), 1,70 x 82 x 36 cm, Öl- und Lackfarben auf Spritzlack auf Metall, LSHh, April-Mai 1972. Durchgängig in Gebrauch bis heute. II

(1) Anmerkung:
Eine ikonografische Bestimmung dieser Skulptur war im LSBD nur möglich mit dem Werk von Albert Grünwedel, Mythologie des Buddhismus in Tibet und der Mongolei, Führer durch die lamaistische Sammlung des Fürsten Esper Uchtomskij, Neudruck der Ausgabe 1900, Osnabrück: Otto Zeller Verlag 1970; hier schien S. 143 mit Abb. 116 eine Grüne Târâ nahezulegen. Aber einige entscheidende Merkmale fehlten. Erst mit einer auf der Sâdhanamâlâ basierenden Untersuchung von Benoytosh Bhattacharyya, The Indian Buddhist Iconography, Calcutta: Mukhopadhyay 1968, wurde klar, daß es sich um eine Skulptur der Mahâśrî, der „Târâ von großer Schönheit“ handeln muß (p. 227-229), eine der Emanationen des Dhyâni Buddha Amoghasiddhi. Bhattacharyya fand damals nur eine einzige Skulptur dieses Typus (p. 283, Fig. 169: Indian Museum, Calcutta) und sein Buch gelangte erst Anfang der 1980er Jahre ins LSHf. Hans Wolfgang Schumann, Buddhistische Bilderwelt: ein ikonographisches Handbuch des Mahâyâna- und Tantrayâna-Buddhismus, Köln: Diederichs Verlag 1986, gibt S. 154, Abb. 124, ebenfalls die Grüne Târâ Mahâśrî, in Ardhaparyańka-Beinhaltung und mit der hier gegebenen Dharmacakrapravartana- oder Vyâkhyâna-Mudrâ. Mit Hinweis auf einen nepalischen Gewährsmann erwähnt der Autor außerdem, daß dieser Târâ insbesondere „der Schutz der Pflanzen obliege“. Als ikonografisches Bestimmungsmerkmal gibt Schumann an, daß die seitlich von der Figur angebrachten Lotospflanzen nicht wie sonst abgeschnitten, sondern im Boden verwurzelt sind. Dies ist bei der Skulptur aus dem Lotos-Studio auch der Fall. Nach dem in der Sâdhanamâlâ genannten Mantra “Om Târe Tuttâre Ture Dhanam Dade Svâhâ” gewährt die Praxis der Târâ Mahâśrî Wohlstand. Nach einer anderen Quelle wird ihre Sitzhaltung als Râjalîlâ Âsana, fürstliche Ungezwungenheit und Muße, charakterisiert. Die beiden Blütenpflanzen sind blaue oder schwarze Nacht-Lotusse.

Aus: Thilo Götze Regenbogen (Hrsg.), Raum 1 Magazin, Ausgabe 10, Hofheim am Taunus: EygenArt Verlag 2008, S. 10, hier mit einer zusätzlichen Abbildung.

Montag, 10. Januar 2011

Mary Bauermeister im Hack-Museum Ludwigshafen

IMG_1146TGR-NL-Bauermeister2010 (pdf, 986 KB)

Montag, 18. Oktober 2010

Stuttgart 21 und die Kulturfeldtheorie

Im Dezember 2010 erscheint der dritte Band der Forschungsergebnisse des Kunsthistorikers, Künstlers und ökologischen Aktivisten der 70er und 80er Jahre, Thilo Götze Regenbogen (Jg. 1949) im diagonal-Verlag Marburg: Feldbefreier in Kunst, Weisheit und Wissenschaft Das Buch enthält auch die ersten Ansätze einer neuen Systemtheorie der Kulturfelder in Gesellschaften der Moderne, die an 14 Beispielen näher ausgeführt wird, wobei diese sich dem Schwerpunkt des Buches entsprechend auf Kunst, Design, asiatische Länderkulturen, Religion und Gesellschaft konzentrieren.
Das dabei entwickelte Instrumentarium gestattet es aber auch, aktuelle Auseinandersetzungen wie den um „Stuttgart 21“ als einen typischen Kulturfeldkonflikt zu erkennen. Dabei wird deutlich, daß es sich in vielen Punkten um eine Neuauflage bzw. Weiterführung von Konfliktlinien und Interessensunterschieden aus den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts handelt, ähnlich denen um die Erweiterung des Frankfurter Flughafens („Startbahn West“) zu Beginn der 80er Jahre. Technikfolgenabschätzung, Umweltverträglichkeitsprüfung, Planfeststellungsverfahren, Bürgerbeteiligung und die Frage der Mitbestimmung der von den Zukunftsfolgen betroffenen Bürger stehen wieder im Raum, verhärtete Fronten führen zur Eskalation von Gewaltanwendung auf beiden Seiten der Bauzäune, auch wenn diese in Stuttgart bisher nur von Seiten der Betreiber des Bahnhofsneubaus sichtbar geworden ist.
Bei den Auseinandersetzungen um das „Zigeunerwäldchen“ bei Hofheim am Taunus (Januar 1980) und die „Startbahn West“ des Frankfurter Flughafens (1981-1982) ging es auch jeweils um z.T. bis auf die 60er Jahre zurückreichende Planungen, die 15 Jahre später mit Brachialgewalt gegen Bürgerprotest durchgesetzt wurden. In Hessen entstand auf der Basis der Bürgerinitiativenstruktur die „Sonstige Politische Vereinigung (SPV)“ Die Grünen, heute Bundestagspartei.

In Stuttgart und Berlin ist nun eine jüngere Generation engagiert, denen der Kampf um das Kernkraftwerk im badischen Wyhl zu Anfang der 70er Jahre nur noch aus Erzählungen bekannt sein wird. Damals und dort entstand die ökologisch motivierte Bürgerinitiativenbewegung. Wenn man heute im Bücherbereich bei Amazon „Wyhl“ eingibt, so erhält man 275 Treffer, die deutlich machen, wie viel zu diesem Thema noch nachlesbar und auch weiterhin aktuell ist. Das "EygenArt- oder Unkrautkulturmanifest“ von Thilo Götze Regenbogen (geschrieben 1978-1981/85) stellt die kulturellen Auseinandersetzungen dieser Zeit in den größeren Zusammenhang einer Moderne-Kritik, die sich auf ganzheitliche Zusammenhänge des menschlichen Lebens auf diesem Planeten beruft und dabei auch spirituelle, medizinische, soziale, ökologische und künstlerische Aspekte und Wirkungsfelder berücksichtigt. Ebenso das Ende 1979 entstandene „Zigeunerwäldchen-Manifest“ (1980) des Autors, Künstlers und ökologischen Aktivisten dieser Zeit.

Bei „Stuttgart 21“ geht es im Kern um dieselben Fragen, dies aber in stark erweiterter ökonomischer Dimension (4,5 bis etwa 11 Mrd. Euro) und vor einem Allgemeinbewußtsein, das sich durch Finanzkrise und ökologische Katastrophen der vergangenen Jahrzehnte aufgerüttelt nichts mehr vormachen lassen will. Abstrakte Allgemeinbegriffe wie Zukunft, Fortschritt oder Modernisierung werden auf den Boden der tatsächlichen Planungsfolgen dieses Großprojekts geholt und einer neuen gesellschaftlichen Auseinandersetzung zugeführt, die sich nicht mehr hinter den Konferenztüren ökonomischer und politischer Koalitionäre einer vermeintlich besseren Zukunft verschanzen kann. Auf unklaren oder gar geheimen Zukunftsfolgenabschätzungen beruhende Planungen müssen nun offengelegt werden. Die Bürger Stuttgarts und Baden-Württembergs, des ganzen Landes und des deutschsprechenden Europa, übers Internet vielleicht auch viele Beobachter aus der ganzen industrialisierten Welt, werden sich damit befassen können und wollen, denn nun werden die überregionalen Parallelen dieses Projekts sichtbar werden.
Zunächst waren in Stuttgart die institutionalisierte Politik (repräsentattive Demokratie) und das wirtschaftlich-ökonomische Kulturfeld führend und schließlich entscheidend beteiligt. Ökologische, soziale und wirtschaftliche Zukunftsfolgenabschätzung erfolgten wo überhaupt auf unzureichender und inzwischen oftmals überholter Datengrundlage. Ein solchermaßen beteiligtes wissenschaftliches Expertentum krankt allzu häufig an der hohen Spezialisierung, die garnicht in der Lage sein kann, die übergreifenden Zusammenhänge deutlich zu machen. Genau diese Spezialisierung macht es ja auch so benutzbar für verschiedene Interessen. Der Geist, wenn er denn hier überhaupt noch weht, ist vom Grundsatz her dienstbar. Ohne diese Dienstbarkeit bekäme das Kulturfeld Wissenschaft niemals eine ökonomische Basis, wäre nicht lebensfähig.

Wenn nun die Öffentlichkeit der Medien (öffentliche, private und alternative wie z.B. solche im Internet) die Auseinandersetzungen aufnimmt, in ihrem Sinne verarbeitet und verbreitet; wenn eine breitere Zahl von wissenschaftlichen Stellungsnahmen zu Detailaspekten in Auftrag gegeben und vermittelt werden kann; wenn die parteipolitischen Interessenlagen in Stadt, Land, Bund und auf EU-Ebene ins „Spiel“ eingreifen (was sie von Anfang an getan haben); wenn schließlich die in vielfältiger Weise in ihren unterschiedlichen und gemeinsamen Interessenlagen betroffenen Bürger aufstehen und nicht mehr hinnehmen wollen, was da vor ihren Augen in die Tat umgesetzt wird, dann haben wir eine sehr stark erweiterte Konfliktlage, in der die genannten vier großen Kulturfelder mit dem der Familien, Paare und Einzelpersonen interagieren. Das Alltagsleben sehr vieler Menschen ist betroffen sowohl durch die Baumaßnahmen am Stuttgarter Hauptbahnhof, wie durch die Präsenz des Konflikts in den Medien, im Berufs- und Privatleben. Es ändert sich die gesamte Atmosphäre eines Ortes, einer Landeshauptstadt, ja des ganzen Landes, das über das Thema nachzudenken beginnt. Es entsteht ein über die institutionalisierte Politik weit hinausreichendes Feld politischer, sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Akteure, in dem über weit mehr verhandelt wird als einen Bahnhofsabriß und den Neubau eines Stücks einer imaginären Transkontinentale, von der überhaupt noch nicht ausgemacht scheint, wer sie denn braucht. Wie in den 70er und 80er Jahren scheint es immer noch um Beschleunigung, quantitatives Wachstum, Zerstörung älterer und nicht selten für die Mehrheit effektiverer und auch wirtschaftlicher Strukturen zu gehen. Von Fortschritt in den Köpfen der Betreiber also weiterhin keine Spur?

18.10.2010 Thilo Götze Regenbogen

Sonntag, 6. September 2009

Rudolf Steiner und die Anthroposophie

Rezension von Abenteuer Anthroposophie: Rudolf Steiner und seine Wirkung. Ein Film von Rüdiger Sünner

Wie Zeitzeugen schildern, war Rudolf Steiner (1861-1925) eine Persönlichkeit von großer und eindringlicher Ausstrahlung. Seine Wirkung hält bis in die Gegenwart hinein an - nicht zuletzt deswegen, weil die Menschheitsfragen, auf die er eine Antwort gesucht hat, bis zum heutigen Tage fortbestehen. Unsere schnellebige Zeit bringt jedoch eine flackernde Aufmerksamkeit mit sich, die von solch komplexen und vielschichtigen Phänomenen nur noch aus dem Zusammenhang heraus gerissene Teilchen wahrzunehmen in der Lage ist. So hat man mal etwas gehört von Waldorfschulen, biologisch-dynamischer Landwirtschaft oder anthroposophischer Medizin, aber sich selten weitergehend darauf eingelassen.
Wie ist das Leben eines Menschen verlaufen, den man in einem Zusammenhang sehen muß mit den großen Universalgelehrten des 18. und 19. Jahrhunderts, mit Johann Wolfgang von Goethe, Carl Gustav Carus oder Alexander von Humboldt? Wie kann einer dahin kommen, so grundlegend über Naturkräfte und Menschenwesen nachzusinnen, daß er heute so weit auseinander liegenden Sphären wie Pädagogik und Landwirtschaft, Medizin und Spiritualität, Architektur und Wirtschaftsleben, Kunst und Naturwissen-schaft wegweisende Impulse geben kann? Was meint die von ihm begründete Anthroposophie und wo steht sie heute im Weltgeschehen?
Der hier behandelte Film von Rüdiger Sünner geht die beinahe unmögliche Aufgabe an, wichtige Lebensstationen Steiners in Niederösterreich, Wien und Weimar, schließlich in Dornach in der Schweiz und auf seinen vielen Vortragsreisen zusammenhängend zu verdeutlichen. Wir lernen Waldorfschu-len in Deutschland und Afrika kennen, sowie die anthroposophisch orientierte Sekem-Farm in Ägypten. Es kommen Menschen zu Wort, die seine Auffassungen studiert, geprüft und sich zu eigen gemacht haben und solche, die nach ebenfalls oft jahrzehntelanger Auseinandersetzung damit Kritikpunkte benennen. So ist ein ausführliches Porträt eines der vielschichtigsten Denker und Lehrer der Moderne entstanden, dessen Hinterlassenschaft enorm umfangreich ist und die auch heute noch polarisieren kann.
Den 13 Kapiteln des Dokumentarfilms ist außerdem ein Porträt des Filmautors Rüdiger Sünner (Jg. 1953) beigegeben, dem wir so wichtige Filme wie „Schwarze Sonne“, „Paul Klee in Ägypten“ oder „Geheimes Deutschland“ verdanken.
Die Kapitel des Films gehen auf die Jugendzeit Rudolf Steiners in Niederösterreich ein, zeigen die Landschaften seiner Kindheit und die Kräfte, welche den sensiblen, schon früh durch übersinnliche Erlebnisse geprägten Jungen beeinflußt haben. Unter der Ablehnung durch den Vater wird sein Refugium die Natur, mit der er in heimlichen Dialogen zu verkehren lernt und deren Geheimnisse er zu ergründen sucht. Das wird in schönen, die Imagination anregenden („sprechenden“!) Elementar-Bildern gezeigt, deren Signaturen den ganzen Film durchziehen. Wir werden wieder angeregt, in einer Blütenform oder in einem Stück Baumrinde mehr zu sehen, als den mechanischen Ausdruck von ein paar Naturgesetzen und uns auch seelisch berühren zu lassen von der Schönheit und Magie der Elemente.
Der ländliche Reichtum an Sagen und Mythen wird mit inspirierenden Zitaten und Bildern belegt. Die Gesetze der Ähnlichkeit, das Bestreben Steiners, „seelisch in der Ausbildung innerer Formen (zu) leben“ wird deutlich. Der junge Steiner betritt so schon sehr früh neben dem Naturstudium auch den „Seelenschauplatz“ der geistiger Offenbarungen, die ihm die Welt von anderen Seiten her verständlich machen, als es das im 19. Jahrhundert erstarkte, bereinigt materialistische Weltbild der neuen Naturwissenschaften erlauben will. Auch heute noch wird leicht als „Esoterik“ oder Okkultismus abgetan, worin Rudolf Steiner schon früh einen ganz eigenen Erfahrungsraum sich erschließt. Diese Erfahrungen gestatten ihm, die Denkorgane ins Innere der Dinge zu verlängern, also nicht an den oberflächlichen Erscheinungen und dem bloß funktionalen Gebrauch hängen zu bleiben. Für all diese subtilen Erlebnisebenen findet der Film erstaunliche und hilfreiche Bilder, auch wo sie zuweilen die Sprache des Dokumentarfilms übersteigen, ganz dem erweiterten Menschenbild ensprechend, das hier Gegenstand und Thema ist.
Das Studium in Wien, die geistlose akademische Zitaten-Reproduktion, die Enge des erfahrungsbereinigten Bücherwissens können Steiner schon bald nicht mehr zufriedenstellen. In scharfem Kontrast eröffnen sich in seiner heranreifenden Erfahrungswissenschaft Einsichten wie z.B. die, daß das Licht „als wirkliche Wesenheit in der Sinneswelt (erscheint), die aber selbst außersinnlich ist.“ Tausende von Leichen wurden im 19. Jh. seziert und keine Seele gefunden! Steiner sucht nach Begriffen der Wirklichkeit, die das seelische Erleben mit umfassen, so wie es ihm seit seiner Kindheit zugänglich ist. Die bildende Kunst, die Museen, dort die Malerei von Arnold Böcklin scheint seine Kindheitserlebnisse schon zu kennen. Sodann das Erlebnis des Ich, die Wirklichkeit und Geistigkeit des Ich in den herausragenden Werken von Rembrandt.
Er wendet sich gegen jeden Form des Zeitgeist-Nationalismus schon in seiner Wiener Lebensphase. Der deutsche kosmopolitische Geist wie bei Goethe ist ihm sehr verwandt, er geht auf Distanz auch zum Anti-Semitismus der Zeit, ebenso aber auch zum Zionismus und er sympathisiert mit der vollständigen Assimilierung der Juden – eine Auffassung, die gerade im Zeitraum der Moderne auch von vielen jüdischen Intellektuellen und Künstlern geteilt wird. Mit großem Respekt vor den gesellschaftlich aktiven Frauen seiner Zeit besucht er die führenden Salons in Wien und erhält dort zahlreiche Anregungen.
Was ihn aber generell stört, sind die starken Gegensätze und die vielen Kontroversen auch der intellektuellen Welt dieser Zeit, die seiner Auffassung nach zu einer Harmonie finden müssen. Dieses Harmoniebedürfnis nähert ihn schon früh dem religiösen Kulturfeld an und einer Form von Kunst, die das Wagnis und die vielen herausragenden Neuerungen der Moderne eher zu scheuen scheint. Bis in die heutige Zeit ist, was Steiner geschaffen hat, von den Chiffren und Kontroversen seiner frühen Jahre geprägt sowohl in den Stärken, wie in den Schwächen. Zahlreiche Interviewpartner - auch einige kritische - kommen in diesem umfassend angelegten Film von Rüdiger Sünner zu Wort, so z.B. Götz Werner, Dr. Schnell, Otto Schily, Heiner Ulrich, Helmut Zander, Ibrahim Abouleish und auch einige engagierte Frauen, die insbesondere im pädagogischen Bereich tätig sind.
Ab 1890 arbeitet Rudolf Steiner im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar an der Gesamtausgabe der Werke Goethes mit Schwerpunkt auf dessen naturwissenschaftlichen Schriften. Er betrachtet diese zugleich als Entwürfe einer spirituellen Naturphilosophie, die in ihm selber sich fortwährend weiter entwickelt. Pflanzenwachstum, Prozeßerleben, das Naturgeschehen als eine von Ideen geleitete Metamorphose sind seine zentralen Gedanken. Schöne Überblendungen Goethescher Zeichnungen und Notate mit Fresienbildern suchen das nahe zu bringen. Das Übersinnliche ist bestimmend, über die Sinnenwelt hinaus geht das Denken. Ein Abschnitt ist Weimar und Goethe gewidmet, weitere der Theosophie, dem Einfluß des Denkens von Madame Helena Petrowna Blavatsky (1831-1891), der Begründerin der modernen Theosophie und der Beschäftigung mit der buddhistischen Kosmologie.
Hier setzen dann die haarigen und sehr umstrittenen Auffassungen Steiners von den fünf Grundrassen an und schon lächerlich klischeehaft zu nennende Vorstellungswelten entfalten sich, betr. etwa die Indianer Nordamerikas und das angeblich schon in ihnen Angelegte ihres Untergangs, die Klischees über das Triebleben afrikanischer Neger etc., über die man eigentlich keine Worte mehr verlieren muß. Der Autor zeigt die Widersprüchlichkeit Steinerschen Denkens auf und läßt viele Fachleute in Statements die jeweiligen Fragen von verschiedenen Seiten kommentieren. Historische Kontextualisierung als ein möglicher Ausweg aus der Reaktualisierung der Kontroversen führt dabei schnell in die kulturellen Kreise, aus denen sich auch die Wegbereiter des Nationalsozialismus genährt haben. Rüdiger Sinner weiß, wovon er spricht, hat er sich doch auch damit schon befaßt.
Das Thema Reinkarnation und Karma wird mit Bespielen aus Ägypten und den prähistorischen Megalith-Kulturen angesprochen. Das wissenschaftliche Verständnis der Nahtod- und Sterbeerlebnisse muß transformiert und erweitert werden – was ja seit 20 Jahren auch geschieht. Was auffällt ist, daß hier die asiatischen und buddhistischen Quellen Steinerschen Denkens kaum Erwähnung finden. Jeder weiß heute, daß die buddhistische Überlieferung wie Praxis enorm kundig zu diesem Thema ist und Steiner wußte es ebenfalls, auch wenn die zeitgenössische Theosophie dafür nicht gerade eine authentische Quelle gewesen ist.
Das Goetheanum in Dornach wird in seiner Entwicklung vom Holzbau zur Betonskulptur gezeigt, Zeugen und Forscher kommen zu Wort. Erläutert wird die dort bis zum heutigen Tage weiter entwickelte und praktizierte spirituelle Naturforschung und vieles mehr, was in diesem bedeutenden Archiv-, Forschungs- und Kulturzentrum lebendig ist.
Das Wirtschaftsprinzip Brüderlichkeit, die Ideale der französischen Revolution aufgreifend und mit dem Gedanken der Dreigliederung des sozialen Organismus sinnvolll verschmolzen; die aktuelle Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen, die bis heute bedeutenden Beiträge der anthroposophische Medizin werden anschaulich gemacht und die Denkweise, Einfluß zu nehmen auf das Problem, das die Krankheit auslöst, bei der Entgleisung in die Einseitigkeit ansetzend. Der reformpädagogische Sonder-weg Steiners in der Waldorfpädagogik als Ausdruck der Ehrfurcht vor dem sich selbst entwickelnden Geist werden ein Kapitel lang in den Mittelpunkt gerückt und nicht zuletzt ist immer wieder ein der anthroposophischen Szene zuweilen abgesprochener Humor durchscheinend: „Wie wunderbar: Stunden mit dem blöden Wattwurm!“ (bei Wanderungen mit Kindern im Nordsee-Watt). Schließlich der markante anthroposophische Projekt-Ansatz in Afrika und zum Abschluß die Sekem-Farm in Ägypten werden vorgestellt: „Nichts mehr als die Kunst kann wirklich das Bewußtsein entwickeln.“
Wegen der oft spürbaren inhaltlichen Nähe zu spirituellen Positionen des Buddhismus und wegen dessen aktueller Präsenz im öffentlichen Bewußtsein, sei noch dies angemerkt:
Drei Kräfte haben eine authentische und adäquate Verarbeitung der buddhistischen Weisheitsüberlieferung bei Rudolf Steiner begrenzt bzw. verhindert:
1. seine Rassentheorie, insbesondere zu den asiatischen Völkern;
2. seine starke, christlich geprägte Religiosität; und
3. die Auseinandersetzung mit Madame Blavatsky, der organisierten
Theosophie, deren Generalsekretär Steiner gewesen ist und ihren Lehren und seine folgende energische Abgrenzung von der Theosophie, welche in dieser Zeit auch eine wichtige, für den Buddhismus wirksame Kraft gewesen ist.
Steiner hat gleichwohl zu einer freien Auseinandersetzung mit den Weisheitsüberlieferungen beigetragen, frei von kirchenchristlichen Bindungen. Madame Blavatsky hat in großem Umfang eine freie Auseinandersetzung mit der buddhistischen Weisheitsüberlieferung in ihrer Zeit angeregt und befördert, besonders auch bei Künstlern wie Max Beckmann, Wassilij Kandinsky u.v.a.
Heute ist die Lage allerdings nun eine völlig andere auch deswegen, weil die buddhistischen Lehrer der verschiedenen Schulrichtungen alle im Westen präsent sind und gut für sich selber sprechen können und weil die weltweite massenmediale Entwicklung den individuellen Zugang zu Informationen explosionsartig erweitert und auch befreit hat.
Rüdiger Sünner hat mit seinem einfühlsamen Porträt einer historischen Persönlichkeit auf herausragende Weise unser Verständnis dieses vielschichtigen und widersprüchlichen Menschen Rudolf Steiner befördert. Er hat dies in einer anschaulichen und lebendigen Weise verwirklicht, so daß wir die Aktualität der meisten Fragen erkennen und den großen Beitrag der anthroposophischen Bewegung zur Lösung der Menschheitsfragen würdigen können.

Thilo Götze Regenbogen

Abenteuer Anthroposophie: Rudolf Steiner und seine Wirkung. Ein Film von Rüdiger Sünner, 110 Min., Farbe, Buch/Regie/Kamera: Rüdiger Sünner, Sprecher: Hans-Peter Bögel, Rüdiger Sünner; absolut Medien Dokumente 938, Atalante Film 2008, ISBN 978-3-89848-938-6, 17.90 €. Erhältlich z.B. im Internetbookshop von waldorfschule.de. Weitere Internetquellen: http://www.ruedigersuenner.de, absolutmedien.de, waldorfbuch.de, rudolf-steiner.de.

Freitag, 4. September 2009

Kommentierte Stellungnahme von Drs. Ron Manheim zur Diskussion um die Eichen-Basaltstelen-Allee Moyland

Aus der Moyländer Schloss-Allee sollen die 48 Basaltstelen entfernt werden, die dort seit 1997, also seit der Eröffnung des Museums Schloss Moyland zu sehen sind. Die bisher in der Presse erwähnten Argumente der neuen künstlerischen Direktorin, Dr. Bettina Paust, sind aber weder stichhaltig noch frei von Widersprüchen:
1. Es sei das Bestreben der neuen Museumsdirektorin, die Schloss-Allee in ihrer alten Form wiederherzustellen. Dieses Argument stellt zunächst einen Affront dem Gartenarchitekten-Ehepaar Rose und Gustav Wörner gegenüber dar, das damals gerne bereit war, in Absprache mit dem Sammler Hans van der Grinten, die Steine in ihr Konzept der Wiederherstellung des gesamten Parks einfließen zu lassen. Es besser wissen zu wollen als diese Spezialisten, die auch für die historischen Parkanlagen in Kleve und für den Tiergarten-Bereich in Berlin verantwortlich zeichneten, ist schon sehr vermessen. Sollte man aber diesen denkmalpflegerischen Purismus praktizieren wollen, so müssten noch viele Kunstwerke (Chillida, Tàpies, Byars, Mack, usw.) aus dem Park verschwinden, der Kräutergarten durch Rasen ersetzt und eine ganze Reihe von eingreifenden Veränderungen an der Architektur des Schlosses vorgenommen werden. Im Übrigen sei auch angemerkt, dass eine Wiederherstellung der historisch gesicherten Form nur gelingen könnte, indem man sämtliche Eichen, die jetzt sehr unterschiedlichen Alters sind, durch eine radikale und umfassende Neupflanzung ersetzen würde.
2. Die Allee sei nicht öffentlich begehbar und somit nicht im Sinne von Beuys ein öffentliches Kunstwerk. Zunächst stimmt dies sachlich nicht, denn ein Teil der Basaltsteine befindet sich im öffentlich begehbaren Halbrondell am Beginn der Schloss-Allee. Wichtiger aber ist, dass die Setzung von Basaltsteinen zu jungen Eichen einen wichtigen Hinweis auf die Spannung zwischen Lebenszyklus und Ewigkeit enthält: Muss der Baum nach vielen Jahren wieder durch ein junges Exemplar ersetzt werden, so bleibt der Stein. (Anm.1)
Hinzu kommt vor allem, dass die Allee durchaus öffentlich ist, denn jeder kann sie in ihrer ganzen Länge, von ihrem Anfang oder auch von ihrem Ende her betrachten. Schließlich hat das Museum gerade deswegen, wegen der Einbeziehung der Allee als Sichtachse, die Kosten für ihre Pflege übernommen! (Anm.2)
3. Die Eichen-Basaltsteine-Allee soll den Ideen von Beuys nicht entsprechen, da Beuys nur die „Verwaldung“ der Städte vor Augen gehabt haben soll. Würde dies zutreffen, so müsste man Beuys postum doch sehr kritisieren, denn das 1982 von ihm zusammen mit der Free International University für die documenta 7 entwickelte Projekt „7000 Eichen“ entstand ausgerechnet für eine Stadt, der es nicht unbedingt an Natur fehlte. Die Durchführung hätte dann doch eher irgendwo im Ruhrgebiet stattgefunden haben sollen. In Kassel stehen die Eichen, je mit ihrer Basaltstele, sogar in der Fulda Aue, direkt am Rande der Karlsaue, entlang der Naturreichen Friedhöfe, im Grünbereich Bossental, usw.
Die von Beuys selbst angeregte Fortsetzung des Projektes weit über Kassel hinaus hat mit der Eichen-Basaltstelen-Allee in Moyland nicht nur eine durchaus vertretbare, sondern auch eine wirksame Realisierung gefunden: Alljährlich kommen mehr als 100.000 Besucher an diesem gut, ja vollständig sichtbaren und teils im frei zugänglichen Park gelegenen Kunstwerk vorbei. Mit den im Schlossgebäude gezeigten Werken von Joseph Beuys bildet diese Allee ein hervorragendes Instrument, die interessierten Museumsbesucher mit Werk und Ideen dieses Künstlers vertraut zu machen.
Die neue Direktorin lässt mit diesen nicht stichhaltigen Argumenten den Verdacht aufkommen, die Witwe des großen Künstlers, Eva Beuys, für sich einnehmen zu wollen, die schon zu Anfang einen völlig fehlgeschlagenen Versuch unternommen hat, unter dem Vorwurf des Plagiats die Steine entfernen zu lassen. (Anm.3) Beuys’ Aufforderung, die Pflanzaktion über die ganze Erde zu verbreiten, macht den Plagiatvorwurf inhaltlos.

Drs. Ron Manheim
ehem. Stellvertretender Künstlerischer Direktor

22. August 2009 00:18 Mit Dank an einfallsreich.tv

Anmerkungen von Thilo Götze Regenbogen
(1) Das ist doch eine merkwürdige Darstellung. Als aktiver Unterstützer der Kasseler Pflanzungen 1982 und Gründer des Baumbüro Main-Taunus (1982-87) habe ich die Grundspannung zwischen Baum und Stein so in Erinnerung, daß der Baum auf jeden Fall durch sein Wachstum den Stein überlebt, der mit der Zeit zerfallen wird. Nun zerfällt Basalt nicht so leicht; es mag sich also auch damals schon mehr um grüne Symbolik als um Naturwissenschaft gehandelt haben. In einer Parklandschaft mögen zudem der pflegerische und der gestalterische Gesichtspunkt weitere Eingriffe notwendig machen.
(2) Eine weitere Merkwürdigkeit, die sich nicht mit dem aktiven anthropologischen Verständnis von Beuys vertragen will, die Wahrnehmung der Allee auf das Betrachten durch die Stäbe eines geschlossenen Tores zu beschränken. Nein, da steht auch eine Öffnung an, die diese wichtige Arbeit von U We Claus entsprechend würdigt, indem sie sie tatsächlich auch für die körperliche Wahrnehmung frei zugänglich macht!
(3) Auch müßte sich Eva Beuys schon mal entscheiden: Entweder sie hält den Plagiatsvorwurf aufrecht, dann muß sie zugestehen, daß U We Claus die Arbeit von Beuys fortgesetzt hat; oder sie hält die Allee für häßlich und mißlungen, dann muß sie zugestehen, daß diesem persönlichen Geschmacksurteil ein originärer gestalterischer Akzent von U We Claus - die partielle Schrägstellung von Steinen - zugrunde liegt und dann muß sie den Plagiatsvorwurf fallen lassen. Beides zu vermischen ist keine kohärente Argumentation und die darf man von einer weltweit renommierten Beuys-Expertin doch immerhin erwarten.

Dienstag, 4. August 2009

Stellungnahme zum Konflikt um die Eichen/Basaltstelen-Allee am Museum Schloß Moyland

„Der Park von Schloss Moyland in Bedburg-Hau nahe der niederländischen Grenze entstand als Gartenanlage mit barocken Elementen – altes Alleen- und Grabensystem – bereits ab 1662 und erhielt später die Strukturen eines Landschaftsparks. Kunstkenner kommen im Joseph-Beuys-Archiv und der weiteren Sammlung im Schloss auf ihre Kosten. Der historische Park wurde Anfang bis Mitte der 1990er Jahre auf Grundlage eines Parkpflegewerks der Landschaftsarchitekten Gustav und Rose Wörner und J. Scheller mit großer Sensibilität rekonstruiert.
Sein gestalterisches Niveau, seine behutsame Wiederinstandsetzung und Weiterentwicklung, seine Schnörkellosigkeit und Klarheit sowie der gelungene harmonische Dreiklang von Natur, Garten und Kunst überzeugten auch die Jury und brachten dem Schlosspark Moyland den zweiten Platz ein. ‚An diesem Schlosspark gefällt insbesondere die klare historische Struktur und die Weitläufigkeit der gesamten Anlage’, zeigt sich Prof. Hartmut Balder begeistert. ‚Es ist ein außergewöhnliches und bleibendes Erlebnis, anspruchsvolle Bildende Kunst beim Spaziergang durch einen alten Park zu erleben’, schwärmt Prof. Dr. Kaspar Klaffke. Und Werner Küsters ergänzt: ‚Ein niederrheinisches Park- und Gartendenkmal, das im wahrsten Sinne gartenkunsthistorisch seinesgleichen sucht.’“ (Medieninformation Stiftung Museum Schloss Moyland 32/2006 vom April 2006, S.1)

Bereits die anläßlich einer Preisverleihung für die Parkanlage vor drei Jahren von der Stiftung Museum Schloss Moyland veröffentlichte Medieninformation weiß von den barocken Elementen in diesem Landschaftspark. Wie in zahlreichen Parkanlagen Europas hat es unter dem Einfluß von im weitesten Sinne romantischem Gedankengut, welches der Natur einen völlig anderen Stellenwert einräumt als noch zu Barock-Zeiten, eine Umarbeitung und Erweiterung der barocken Gestalt zum Landschaftspark gegeben. Mir ist kein Vorhaben bekannt, das den Rückbau eines historischen Landschaftsparks mit barocken Teilelementen in einen Barockgarten alter Prägung unternommen hätte. Wenn die neue Künstlerische Direktion am Museum Schloss Moyland ihre Absicht, „die sog. ‚Eichenallee’ durch Entfernung der Basaltstelen in ihren gartenhistorisch gesicherten Zustand zurück“ zu führen also mit der Wiederherstellung älterer Zustände begründet, bedeutet dies vielleicht auch, daß sie uns in die Zeiten absolutistischer Herrschaft zurückführen möchte? Noch vor drei Jahren hieß es aus dem Hause, „der historische Park“ sei „Anfang bis Mitte der 1990er Jahre auf Grundlage eines Parkpflegewerks der Landschaftsarchitekten Gustav und Rose Wörner und J. Scheller mit großer Sensibilität rekonstruiert“ worden und damals standen die einvernehmlich von U We Claus errichteten Basaltstelen ja schon zehn Jahre. Nun soll das alles mit Berufung einer neuen Direktorin Schnee von gestern sein?

Es sieht doch eher danach aus, daß mit dem Argument der Wiederherstellung eines historischen Zustands – als sei das etwas für sich schon Positives – dem ganzen Beitrag der engagierten Weiterführung des Projekts 7000 Eichen von Joseph Beuys die Legitimation und das Existenzrecht gerade hier entzogen werden sollen. Dabei wirkt diese relativ kurze Allee mit ihren älteren und jüngeren Bäumen für sich genommen weder sonderlich barock, noch gar auffällig als historisches Gartendenkmal.
Sie wird es erst durch die auf Initiative von U We Claus und im Einvernehmen mit allen vor Ort verantwortlichen Personen 1996 realisierten Steinsetzungen. Gerade diese einmalige und im Detail durchaus originelle Geste, für die sich – wie die Kritikerinnen sagen – kein weiteres Beispiel finden läßt, soll nun rückgängig gemacht werden. Die Wortwahl macht es deutlich: Im Barock fühlt man sich sicher und von historischen Beispielen umgeben; bei Beuys und dem Projekt 7000 Eichen und angesichts der Gefahr, daß noch lebende Künstler da mitmischen könnten, läßt man lieber die Bagger kommen und planiert die Stelen-Allee wieder.

U We Claus gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den wenigen Künstlern, die ohne irgendwelche inhaltlichen Abstriche sich der Weiterführung der Arbeit von Joseph Beuys und seines Gedankenguts verschrieben haben. Er hat im Auftrag von Beuys gearbeitet und er hat nach meiner Kenntnis einen viel zu großen Respekt – und ich würde sogar sagen: er ist mit so viel Liebe zur geistigen Hinterlassenschaft seines Lehrers Beuys am Werk -, daß es schon ans Absurde grenzt, gerade ihm Verfehlungen im Umgang damit vorzuhalten.

Dieses Werk von U We Claus, welches sich in einer Vielzahl weiterer realisierter Wege, Steinsetzungen und Gartenanlagen ausspricht, wird in der Diskussion um die Baum-Basaltstelen-Allee in Moyland überhaupt nicht richtig eingeschätzt. Völlig zu Unrecht erscheint er in der Darstellung der lokalen Kritik bloß als Plagiator.
Im Kern ist die Idee der Beseitigung der Basalt-Stelen kunstfeindlich. Sie richtet sich ganz praktisch und direkt gegen jene Elemente der Allee, die erkennbar - und für manchen vielleicht immer noch provokant – über eine bloße Eichen-Allee hinausgehen. Daß dabei besonders die schräg gestellten und inzwischen so schön moosbewachsenen Stelen zu eigentlich sachfremden Anmutungen (Dentisten-Latein ausgerechnet von Eva Beuys, die es besser weiß) Anlaß geben, zeigt doch auch, daß U We Claus direkt an einer Plan-Geraden kippende, aber in sich stabile Steine des Anstoßes gesetzt hat, die ganz im Sinne von Beuys auch weiterhin Auseinandersetzungen herausfordern werden. Wer das vermeiden will, sollte zumindest nicht den Anspruch erheben, eine der wichtigsten Sammlungen mit Werken von Joseph Beuys den Menschen des 21. Jahrhunderts näher bringen zu können. Beuys hat keineswegs nur im Bild der Kunstlaien seit den 1960er Jahren die Nachfolge von Picasso angetreten, d.h. er muß irrtümlicherweise - aber mit voller Absicht - noch für jeden Müll herhalten, wenn es ums Kunsturteil geht.

Mit der Begradigung der vielschichtigen Moylander Präsentationsformen der Sammlung van der Grinten ist es jedenfalls nicht getan. Durchaus verständlich, daß nach dem Sammlermuseum nun das Kuratorenmuseum kommen soll. Jede und jeder, die an verantwortlicher Stelle tätig sind, wollen ihren Gestaltungs-spielraum nutzen und wo möglich erweitern und auch neue Akzente setzen.

Dieses Interesse steht auf historischem Grund und an so exponierter Stelle im Kunstdiskurs aber in Spannung zu den überlieferten Formen und Inhalten, denen es ebenso gerecht werden muß, soll nicht die eigene Qualifikation in Frage gestellt sein.
Die Aufgabe ist keineswegs neu, aber sie muß immer wieder aufs Neue bewältigt werden. Dabei Farbe zu bekennen, läßt sich kaum vermeiden. Dr. Bettina Paust, die künstlerische Direktorin, beweist Mut zu eigenständigen Schritten. Anstatt die Stellen, an denen die Basalt-Stelen in der Eichen-Allee heute noch stehen, „zuzupflastern“, sollte sie besser das Gespräch mit dem ehemaligen Schloßherrn von Steengracht führen, damit die Allee einseitig geöffnet werden kann und die Besucherinnen und Besucher die Schönheit der Allee selbst erleben können. Wir werden wohl noch in diesem Jahr alle selbst beurteilen können, wer auf diesem Felde auf Seiten der Musealisierung steht und wer das lebendige Erbe trägt.

Thilo Götze Regenbogen

P.S. U We Claus teilte am 20.8.09 brieflich mit: "Ich sammle weiter bis die Steine bleiben dürfen.!" Wer also noch Einwendungen erheben, den Aufruf unterzeichnen will, hat dazu weiterhin Gelegenheit, Adressen siehe unter Forschung beim Aufruf von U We Claus.

Freitag, 31. Juli 2009

Zur Dalai Lama-Titelgeschichte des stern 32/2009

Leserbrief an den Stern vom 31.7.09

Die wenigen freundlichen Worte und ein paar Formulierungen, die Verständnis erkennen lassen, können nicht darüber hinweg täuschen, daß die ganze Titelgeschichte in der Absicht geschrieben wurde, den Friedensnobelpreisträger zu demontieren. Dabei werden über fünfzig Jahre zurückliegende und einige entlegene oder Randereignisse dieses so universellen Engagements zu Grundsatzfragen aufgeblasen, um nur ja genügend Munition zusammen zu bekommen, diese "Lichtgestalt" zu pulverisieren. Eine der großen Stärken dieses 14. Dalai Lama ist nun einmal ein Grad von Unbefangenheit, der jeden kritischen Beobachter sprachlos macht und mit bloß rationalen Mitteln garnicht erfaßt werden kann. Sicherlich ist das buddhistische Kulturfeld eher ein Harmoniemilieu, das zuweilen die wahren Absichten der Akteure nur schwer erkennbar werden läßt. Das haben manche Beobachter aber auch nicht anders verdient; es ist doch keine Stärke, sich freiwillig zu Kanonenfutter verarbeiten zu lassen!
Das setzt der berufsbedingten journalistischen Neugier Grenzen und verführt dazu, die Lücken mit Versatzstücken von Äußerungen aus anderen Quellen zu füllen, wie das hier auch geschehen ist. Dabei ist die Absicht doch erkennbar, unter dem Vorwand aufklärerischer Kritik abergläubische, naive, mittelalterliche, feudale, autokratische oder autoritäre Strukturen anzugreifen und wie so oft in der Klischees transportierenden Berichterstattung und Kommentarliteratur kommt dabei die Reflexion auf die eigenen Verhältnisse zu kurz und der angeblich so aufgeklärte Westen muß als Idealkonstruktion herhalten, aus der das feudale Tibet und seine angeblich so autoritäre Exilregierung als das schlichtweg Verwerfliche und Antiquierte dargestellt werden können.
Dabei ist dieser 14. Dalai Lama seit seiner Jugendzeit ein aktiver Vertreter moderner Positionen und als solcher auch seit Jahrzehnten häufiger Gast internationaler wissenschaftlicher Konferenzen zu vielen wesentlichen Weltfragen. Es ist schon skandalös zu nennen, wie in Ihrem Beitrag der enorme Output an qualifizierten Beiträgen dieses Autors auf eine Zählung seiner Amazon-Titel heruntergespielt wird, natürlich unter Vermeidung der Nennung der Inhalte!
Als jahrzehntelanger stern-Leser muß ich leider konstatieren: Dieser Beitrag ist kein Ruhmesblatt in der langen Geschichte gut recherchierter Beiträge des stern!

Hofheim am Taunus, 31.7.09, Thilo Götze Regenbogen

Dienstag, 28. Juli 2009

Sir Nicholas Serota zum Konflikt um die Basaltstelen in Moyland

Sir Nicholas Serota, Direktor der Tate London, in einem Brief an U We Claus im Juli 2009: "...I strongly support your appeal for the preservation of the oak/basalt column avenue of Museum Moyland Castle. I believe that Beuys would have supported the initiative and that Moyland castle has been a special site for the appreciation of the work of Joseph Beuys for many years.."
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